Solide bauen – anarchisch feiern

100 Jahre Bauhaus und Moderne in Hamburg. Die Hamburger Kunstszene in den 1920er Jahren war bunt, experimentierfreudig, politisch, gattungs- und grenzüberschreitend – im Aufbruch.

1 / 1

Solide bauen – anarchisch feiern

Architektur und Städtebau wurden mit hohem sozialem und ästhetischem Anspruch betrieben und wirken bis heute nachhaltig stadtbildprägend. Fritz Schumacher, Oberbaudirektor in Hamburg, und der Altonaer Bausenator Gustav Oelsner lenkten und gestalteten in Hamburg und Altona das bauliche Werden der damals noch eigenständigen Städte zu zwei modernen Großstädten.

Ein neuer Blick auf die Realität

Film war das neue, moderne Medium schlechthin. In dem von den Architekten Fritz Block und Ernst Hochfeld entworfenen Deutschlandhaus am Gänsemarkt eröffnete 1929 der Ufa-Palast als größtes Kino Europas. Ein Jahr zuvor hatte der Architekt Karl Schneider zusammen mit dem Künstler Naum Slutzky (1921-24 Meister am Bauhaus) mit dem Emelka-Palast in der Hansestadt das erste moderne Großkino Deutschlands überhaupt realisiert.

Die Tanzkunst ist aus dem Fest geboren

Künstler aller Disziplinen gestalteten und feierten die legendären Hamburger Künstlerfeste im Curiohaus. Im Tanz – der Ausdruckstanz sorgte damals für Aufsehen – nahmen Hamburger ChoreografInnen wie Ursula und Getrud Falke oder die Maskentänzerin und -tänzer Lavinia Schultz und Walter Holdt eine Vorreiterrolle ein und zogen spätere Berühmtheiten wie Rudolf von Laban oder Mary Wigman nach Hamburg.

Avantgarde macht Schule

Architekten wie die Gebrüder Frank, die Gersons, Ernst und Wilhelm Langloh, Karl Schneider, Semmy und Bernd Engel, Fritz Block und Ernst Hochfeld, entwickelten jeweils eigene moderne Haltungen und waren gut mit der internationalen Avantgarde vernetzt. Und nach 1945 waren an der Hamburger Landeskunstschule, später Hochschule für bildende Künste, mehr ehemalige Bauhäusler in der Lehre tätig als an jeder anderen Schule in Deutschland, darunter Fritz Schleifer, Gerhard Marcks, Kurt Kranz, Gustav Hassenpflug, Walter Peterhans und Max Bill.

Hamburg zeigte sich ebenso offen gegenüber Einflüssen von außen, wie es in guter hanseatischer Tradition auch in der Moderne eigene Wege beschritt.